Impfen in der Praxis

27.04.22

Man braucht nach aktueller Leitlinie als Autoimmunkranker = Rheumatiker 4 Impfungen gegen Covid-19,  ausser wenn man nach der dritten Impfung Covid-19 hatte. Mittlerweile sind es in der laufenden Sprechstunde etwa gleichviele Patienten,  die genesen und schon zum vierten Mal geimpft sind. Etwa ein Röhrchen Biontech wird am Tag an die verbliebenen Impfwilligen verimpft.

Die gute Nachricht: Die meisten der nach dreimaliger Impfung Genesenen hatten einen friedlichen Krankheitsverlauf, es war auch noch kein Long-Covid dabei. Bei den jetzt noch Ungeimpften Ersterkrankten sind ein schwerer Verlauf und Folgeschäden immer noch Vorstellungsgrund – immer wieder gern mit der Frage, ob die Erkrankung mit Muskelschmerzen, Atembeschwerden und Konzentrationsstörung vielleicht Rheuma heisst. Die Antwort ist für die Patientennimmer wieder enttäuschend: Nein, das heisst long Covid. Wer nicht an die Krankheit glaubt und die Impfung ablehnt, akzeptiert häufig auch nicht die Folgen der Erkrankung. Schade.

Trotzdem versuchen wir nicht mehr, Ungeimpfte zur Impfung zu motivieren. Anfangs waren diese Gespräche von gegenseitigem Unverständnis bei Wohlwollen geprägt, später wurde es häufig aggressiv. Mittlerweile wird es einfach still, wenn man mit ungeimpften übers Impfen reden muss. Die Zeit kann man sich sparen, es ist alles gesagt.

10.04.22

In der Politik ist es wie im täglichen Leben: Man kann eine Krankheit nicht dadurch heilen, dass man das Fieberthermometer versteckt. Yves Montard

Seit vier Tagen denke ich darüber nach, was man Vernünftiges zur Entscheidung des Deutschen Parlamentes gegen die Impfpflicht sagen kann. Es gibt nichts Positives, nur Bitterkeit, Zynismus und Enttäuschung. Wir werden weiter jeden impfen, bei dem die Stiko das empfiehlt. Die Werbung für das Impfen hört jetzt auf. Es steht ein Schild am Tresen und gut ist. Natürlich beantworten wir weiter gern Fragen.

Die Patienten gliedern sich schon lange in zwei Gruppen: Die meisten sind gegen Covid-19 geimpft und die anderen wollen halt nicht. Ich werde niemanden mehr darauf ansprechen und die gewonnene Zeit in Rheumatologie investieren. Wenn der Staat für sich keine Fürsorgepflicht in Unwillige, Uninformierte und Andersdenkende sieht, müssen wir das auch nicht.

Damit ist leider klar, dass es keinen Raum für weitere Lockerungen gibt. Die FFP-2-Pflicht im ambulanten Gesundheitswesen bleibt. Die Maske ist gerade bei Ungeimpften immer noch der beste Schutz. Und die Maske nervt. Wenn man sie 8 Stunden trägt, hat man oft Kopfschmerzen. Die häufige Situation, wo ein Schwerhöriger fordert, doch mal lauter hinter der Maske zu reden, weil er wegen der Gummis kein Hörgerät tragen könne, macht mittlerweile leicht aggressiv. Auch mit allen anderen Patienten, gerade mit älteren sind verbale und nonverbale Kommunikation gestört. Bei bekannt viermal geimpften Patienten – die Mehrheit der Rheumatiker – setzen wir oft die Maske ab und alles, was mit Verständigung zu tun hat („Sprechstunde“) ist viel einfacher und nett. Da kommt Nostalgie auf, früher war das normal.

Wenn die FFP2-Maske bleibt, wird es nicht schwerer, Menschen fürs Gesundheitswesen zu gewinnen. Aber es wird schwerer, sie zum Bleiben und zu vollschichtiger Arbeit zu animieren. Mit Maske werde ich selbst keinen Tag länger als bis zum Renteneintrittsalter arbeiten. Die Bundesregierung hatte die Impfpflicht in der Hand. Sie hat das Gesundheitswesen mit ihrer Entscheidung gegen die Impfpflicht allein gelassen. Schade.

29.03.22

„Ein Optimist ist ein Mensch, der alles halb so schlimm oder doppelt so gut findet.“ (Heinz Rühmann)

Herr Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach hat erstmals die vierte Impfrunde = zweite Boosterimpfung für alle über 60-jährigen diskutiert. Das bedeutet: Die Empfehlung von EU und Stiko kommt bald. Gleichzeitig hat er davor gewarnt, auf die Omikron-adaptierten Impfstoffe zu warten. Deren Einführung könne sich bis zum Herbst verschieben. Ich denke, das ist kein Grund zum Pessimismus. Der „alte“ Impfstoff von Biontech reduziert Omikron gut. Entweder macht es der neue besser oder wir nehmen weiter den alten Impfstoff.

23.3.22

Die Mühen der Berge liegen hinter uns. Jetzt kommen die Mühen der Ebene.

Heute ist kein Tag der Hoffnung. Eine Mitarbeiterin hat die Coronainfektion – gute Besserung! Alle anderen im Team sind negativ getestet. Beruhigt ist man dann trotzdem nicht, das dauert noch eine Woche. Das Impfen läuft kontinuierlich, meist vierte Impfungen. Zunehmend haben Patienten woanders die vierte Impfung bekommen, so dass wir  gestern wieder einmal 3 Einheiten Biontech entsorgen mussten.

Die Verträglichkeit der vierten Impfung scheint gut zu sein, bisher keine Rückmeldung über größere Nebenwirkungen und auch der Selbsttest letzte Woche gab nur für 2 Tage eine Beule im linken Oberarm.

Sehr traurig macht uns, dass wir eine Mitarbeiterin nicht vom Impfen überzeugen konnten und sich deshalb unsere Wege jetzt trennen. Wir sind das der Sicherheit unserer Patienten und unserer eigenen Sicherheit schuldig. Das Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gab die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung. Trotzdem habe ich beim Kündigen immer das Gefühl, selbst sozial inkompetent zu sein. Und: Wir sind jetzt nicht stärker, nur weil wir weniger sind. Derartige Sprüche hört und sagt man oft. Sie stimmen nicht.

16.3.22

Gestern war ein Tag der Hoffnung. 5 Patienten haben im laufenden Betrieb von allein erzählt, dass sie die vierte Impfung schon haben. Der Druck lässt also nach und wir impfen nicht allein. Die Lockerungen zum Sonntag werden diskutiert, es geht aufwärts. OK, die Schülerinnen berichteten von 8 positiven Fällen allein in einer Berufsschulklasse, das wollten wir überhören. Heute stieg die Inzidenz in Gifhorn von 1550 auf 2130. Es reicht. Ich lasse mich heute nochmal boostern, obwohl ich erst im Mai dran bin. Man muss das nicht tun. Aber man darf das.

15.3.22

Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. William Penn Adair

Heute ist der letzte Tag, an dem ungeimpfte MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens die Möglichkeit haben, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen oder die Nachweise darüber einzureichen. Wir hatten gestern und heute 36 Impfungen, 35 Viert- und eine Drittimpfung. Bisher hatten wir 2022 5 Erstimpfungen.

Ich sage mal voraus: Wer sich bisher nicht impfen lassen wollte, wird das wegen des bis 31.12.22 befristeten Impfpflicht auch nicht tun – zumal das nicht mit einem unbezahlten Betretungsverbot der Kliniken, Heime und Praxen, sondern mit einem vom Gesundheitsamt auszusprechenden Rat, die Ungeimpften doch bitte voll bezahlt patientenfern einzusetzen, sanktioniert ist. Schade. Ungeimpftenrechte sind wichtig, Sicherheit und Geimpftenrechte aber auch.

9.3.22

Die Nachfrage übersteigt wieder einmal das Angebot an Impfungen, wir haben aktuell 10 Vials Biontech pro Woche geplant, meist vierte Impfungen und vereinzelte Genesenenimpfungen. Es gibt neue Vials von Biontech, man muss den Impfstoff nicht mehr verdünnen. Und es ist wieder etwas mehr drin: Es kommen immer 7 Impfstoffdosen aus dem 6er Vial.

28.2.22

Auf Veränderung zu hoffen und nichts dafür zu tun ist wie an einem Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.

Heute impfen wir ein letztes Mal Moderna, es stehen tatsächlich 19 Impflinge überwiegend für die vierte Runde im Plan. Wir freuen uns, dass eine Zweitimpfung dabei ist. Spannenderweise kamen 17 Impfaufkleber für die möglicherweise 24 Impfdosen mit. Wir schreiben dann halt mit Hand in die Impfausweise, das geht. Letzte Woche haben wir 16 Impfungen mit Biontech vergeben, so viel war mal ein 30-Minuten-Programm.

14.2.22

No news are good news.

Die Inzidenz ist eine Woche konstant und die Hauptdiskussion ist nun nicht mehr das Weltklima oder die Ukraine, sondern Coronalockerungen. Beim Hochwasser werden die Friesen hinter dem Deich ruhig, wenn wieder Ebbe ist. Wenn die Hochflut nicht weiter steigt, gibt das Hoffnung, aber keine Sicherheit. Man könnte draus lernen. Ich rechne mit einem Freedom Day am 20. März, an dem einige der vielen, die die Maske so wenig mögen wie ich, sie denen, die sie aus freier Entscheidung oder mit gutem Grund tragen, vom Gesicht reißen. Der Tag wird dann wie Karneval – für viele ein Fest, für einige schlimm.

Zu der Restimpfkampagne: Wir  haben 8 Röhrchen Biontech im Kühlschrank und benötigen 6 in den nächsten 3 Wochen –  mindestens 2 Wochen keine Neubestellung. Wir dürften 40 Röhrchen bestellen, wenn wir  die Nachfrage hätten. Novavax soll am 21.2.22 verfügbar sein – vorerst in den Impfzentren, es gibt eine Warteliste. Wir  bestellen ihn nicht, 6 Nachfragen in 3 Monaten reichen nicht für ein 10er Röhrchen.

7.2.22

Wenn man andere zu vernünftigem Handeln zwingen will, ist das unvernünftig. 

Gifhorn hat heute mit 450 sonntags gemeldeten Covid-19-Neuinfektionen die 1000er Inzidenz verbuchen müssen. Es ist nicht sinnvoll, von einem Rekord zu schreiben – den Rekord hat man bei steigenden Zahlen jeden Tag. Dazu passend beginnen jetzt die Apotheker zu impfen.

Update 10.00 Uhr: Die Nachfrage nach 2. Booster ist heute morgen deutlich gestiegen. Wir bieten allen Rheumatikern, die 2021 geboostert sind, eine Impfplanung an. Für die 2022 geboosterten empfehlen wir ein Abwarten der Entscheidung, vielleicht spielen im April die Omikron-adjustierten MRNA-Impfstoffe oder Valneva/Novavax im April schon eine Rolle.

3.2.22

Dir kann passieren, was will. Es gibt immer einen, der es kommen sah.

14.00 Uhr: Die 2. Auffrischimpfung ist offiziell:

Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen und über 70-jährige wird der 2. Booster 3 Monate nach dem ersten Booster empfohlen. Bei Menschen, die zwischendurch eine Covid-Erkrankung haben, zählt dies wie ein Booster. Wir bieten die Impfung ab sofort allen an.

Für Mitarbeitende wird der 2. Booster 6 Monate nach dem ersten Booster empfohlen. Da unser Personal im März erstgeimpft, im Mai zweitgeimpft und folglich im November geboostert ist, können wir genauso das Erscheinen der omikron-adjustierten Impfstoffvarianten abwarten.

8.00 Uhr: Die nächste Impfrunde wirft ihre Schatten voraus. Herr Mertens, Vorsitzender der Stiko hat bekanntgegeben, dass die Ständige Impfkommission sich mit der zweiten Boosterimpfung, also der vierten Impfung beschäftigt. Es wird also bald eine offizielle Verlautbarung kommen, die eine Empfehlung für über 60-jährige, Immungeschwächte (also Rheumatiker), das medizinische Personal, mehrere oder gar alle diese Gruppen ausspricht. Wir haben unsere Impfstoffbestellung für die Woche 8 also wieder erhöht, nachdem wir in Woche 7 Moderna entsorgen müssen, weil zwei Röhrchen verfallen. Wir werden den Impfstoff derzeit nicht los, die anderen viel impfenden Praxen haben dasselbe Problem. In Woche 7 haben wir gerade 2 Röhrchen Biontech bestellt, für Woche 8 ist jetzt eine prophetische Leistung gefordert.

Falls sich jemand fragt, ob ich das richtig finde: Ja, die 2. Boosterimpfung für vulnerable (verletzliche) Gruppen ist richtig. Deshalb machen wir sie schon für jeden, der sie will. Die Daten reichen langsam für eine Empfehlung. Ich finde es auch richtig, dass nebulös angekündigt wird, dass etwas kommt. Wenn die Empfehlung abends in den Nachrichten kommt, sollten wir bald einen vollen Kühlschrank  haben und die Bestellfrist ist immer noch eine Woche, das Verfallsdatum der Impfstoffe 4 Wochen.

31.1.22

Genug ist besser als zuviel.

Laut der Antwort auf eine kleine Anfrage hat die Bundesregierung mitgeteilt (oder zugegeben), dass zu den 50 Millionen Impfdosen Biontech fürs erste Halbjahr 35 Millionen Moderna bestellt wurden. Handwerklicher Fehler: 35 Millionen Impfdosen reichen für 70 Millionen Booster. Das reicht.

Herr Bundeskanzler Olaf Scholz hat für den Januar das Ziel von 30 Millionen Impfungen ausgegeben. Dazu hätte es an mindestens einem der 31 Januartage mehr als eine Million Impfungen geben müssen. Das reichte nicht.

An Freitag hatten wir 33.000 Erstimpfungen in Deutschland. Bei dem Tempo – es entspricht der Nachfrage – brauchen wir noch 150 Tage zu den 80% und 606 tage zur Durchimpfung. Zum Vergleich: Die Geburtenrate ist bei 1900 pro Tag.

26.1.22

Mal was ganz Neues: Kein Patient hatte heute Beratungsbedarf zur Covid-Impfung, wir haben den ganzen Tag einfach normale Sprechstunde gemacht. Über was haben wir vor der Pandemie geredet?

25.1.22

Viel Böses wäre zu verhindern, wäre da nicht diese Gleichgültigkeit. (Katharina Eisenlöffel)

Die gute Nachricht: Impfstoff ist reichlich da. Wir müssen mindestens 4 Wochen nichts bestellen. Die schlechte Nachricht: Die Nachfrage reicht für ein bis zwei Vial Biontech dreimal pro Woche. Neue Impftermine gibt es nicht mehr, sie werden durch die letzten Zweitimpfungen vorgegeben. So pennt die Impfkampagne wieder einmal ein. Dafür schafft die Inzidenz diese Woche die Tausend – ein Rekord, aber kein Grund zum Stolz oder zur Beruhigung.

19.01.2022

Planung ohne Ausführung ist meistens nutzlos – Ausführung ohne Planung ist meistens fatal.

Wir haben ungeplant nicht geimpft. Gestern standen 5 Patienten für Biontech drin, 1 sagte in der Nacht ab, 2 waren dann schon geimpft und die letzten 2 wohnten in der Nähe. So haben wir die Packung zugelassen und die zwei in der Praxis anwesend umbestellt. Man kommt sich vor, als hätte man die Impfung als Waffe gegen Corona leichtfertig weggeworfen. Dazu passend gab es heute 112323 neue Erkrankungen. Es geht also aufwärts. Leider ist „aufwärts“ hier genauso ein Euphemismus wie „Höhepunkt“ oder „positiv“.

Mit Grusel sehe ich die Impfpflicht. Einerseits bin ich dafür. Andererseits sehe ich das Argument der Gegner, eine Impfpflicht wäre nicht durchsetzbar, deutlich. Ein Impfregister ist gegen die Datenschützer nicht durchsetzbar. Wenn es doch ein Register gäbe, fiele uns die alte Datenlage auf die Füsse und die schlechte Dokumentation der Anfangsimpfungen erleichtert es Fälschern und Betrügern. Wie sanktionieren wir dann die indentifizierten Ungeimpften?

Auf der dritten Seite sehe ich die Abgeordneten im Bundestag, die das beschließen sollen. Der Fraktionszwang wird aufgehoben. Da schon alle befragt wurden und viele sich öffentlich positioniert haben, kann man ja schon mal ahnen: Die Abgeordneten der SPD und der Grünen sind zumindest öffentlich dafür. Die Abgeordneten der FDP werden nach ihrem Gewissen verschieden entscheiden – nicht genug. Die AFD ist immer gegen die Impfung. Das ist voraussehbar. Die Abgeordneten der CDU und der CSU werden entscheiden müssen, ob sie gegen ihre Überzeugung mit dem Kanzler oder gegen ihre Überzeugung mit der AFD zusammen abstimmen. Sachargumente könnten eine geringere Rolle spielen als Parteitaktik.

So bleibt nur zu hoffen, dass Omikron durch und die Endemie von Omikron da ist, bevor der Bundestag aus den Puschen kommt. „Scholz packt das an“ war vor der Wahl.

18.01.21

Motto des Tages: Zwischen Ordnung und einer neuen Ordnung liegt Unordnung. (Georg Wilhelm Exler)

Gestern wurden 6 Vials Biontech geliefert und kein Moderna – wir haben nichts bestellt. Für nächste Woche bleibt unsere Bestellung auch für Biontech unter der Höchstbestellmenge. Jetzt rächt sich, dass wir vor 3 Monaten Impftermine für jetzt vereinbart haben. Fast alle haben nach der Verkürzung der Boosterempfehlung von 6 auf 3 Monate abgesagt. Fast jeden Tag steht ein Patient drin, der von weit kommt, nicht erreichbar war und eventuell auf die alte Impfzusage vertraut.

In Zukunft planen wir vorerst je einen Impftermin pro Woche mit Moderna und Biontech, um die Restmengen zu begrenzen. Das gibt weniger Auswahl, damit wird die Terminvereinbarung schwieriger. Bei einer Patientin, die 5 Terminvorschläge ablehnte (Wassergymnastik, Jogginggruppe, Einkaufen mit der Tochter, „so früh steh ich nicht auf“ und der Hundefriseur waren im Weg), habe ich dann entschieden, kein Impfangebot zu machen. Wir wurden dann in der Priorität vor den Hundefriseur gesetzt und durften die Patientin impfen.

Zwei Entscheidungen der Stiko könnten die Nachfrage erhöhen: der Genesenenstatus gilt seit Freitag drei Monate, nicht mehr sechs. Die mit Johnson/Johnson geimpften gelten erst nach Optimierungsimpfung (MRNA-Impfung 4 Wochen später) als geimpft und erst 14 Tage nach Drittimpfung als geboostert.

An der Impfnachfrage merkt man das kaum. Allerdings ist zu vermuten, dass die jetzt ungeimpft Erkrankten häufig Impfverweigerer waren und kaum zügig zu weiteren Impfungen kommen werden.

15.01.22

Es gibt endlich belastbare Daten des Robert-Koch-Institut zum Verhältnis der Geimpften gegen Ungeimpfte auf Intensivstationen. Obwohl die Ungeimpften nur noch 25% der Bevölkerung ausmachen, stellen sie zwei Drittel der covidbedingten Belegung der Intensivstationen. Das ist ein deutlicher Effekt. Nicht eingerechnet sind diejenigen, deren Impfzeugnisse falsch sind. Auch hier gibt es hoffentlich bald Informationen. Was kann man lernen: Weiterimpfen und weiter impfen lassen!

13.01.22.

Wenn man tot ist, merkt man das nicht. Es ist schlimm für die anderen. Genauso ist es, wenn man doof ist.

Gestern haben wir zum ersten Mal seit Monaten nicht geimpft – es gab nur eine Nachfrage, dafür lohnt das Öffnen eines Röhrchen nicht. Der Patient war traurig, er hat die erste Impfung schließlich bei uns auch ohne Vorplanung erhalten.

Auf der anderen Seite waren alle hier in Deutschland geborenen Patienten (ich mag mich nicht an Patient_*Innen gewöhnen) geboostert. Die vier Ungeimpften des Tages waren dem rein russischen oder russlanddeutschen Ethnienkreis zuzuordnen.

Dort gab es ein neues Argument gegen das Impfen: Schon oft habe mir angehört, dass ich wie alle Geimpften bald sterben werde. Gestern hat mit eine völlig humorlose ehemalige Wolgadeutsche erklärt, ich sei schon tot. Ich wisse es nur noch nicht. Ich konnte ihr nicht klarmachen, dass ich glaube, das ich lebe. Aber sie lässt sich weiter von einem toten Rheumatologen behandeln. Surreal. Damit möchte ich kein Russlanddeutschenbashing starten – wir hatten auch je eine Ungeimpfte aus Italien/Wolfsburg, der Türkei und Syrien. Es ist gut, wenn niemand eine saubere Statistik hat, wie sich die Impfbereitschaft über die Ethnien verteilt. Wir haben genug Spaltung im Land.

Heute werden es sechs Einheiten Biontech – falls alle kommen. Dazu öffnen wir wegen einer geplanten Zweitimpfung ein Röhrchen Moderna und wissen schon, dass wir nicht viel verbrauchen können.

11.1.22

Unbegrenztes Wachstum gibt es nur bei bösen Tumoren.

Die gute Nachricht: Es ist reichlich Impfstoff da, sowohl von Moderna als auch von Biontech. Im Terminkalender standen 22 Impfungen mit Moderna und 19 mit Biontech. 5 Absagen am Morgen + ganz viele Nichterscheiner macht 12 Impfungen mit Moderna, 10 entsorgt, 11 Biontech, 2 entsorgt. Keine Erstimpflinge, keine spontan dazugekommenen aus der laufenden Sprechstunde. Die schlechte Nachricht: Viele Menschen, die geimpft sind, wollen sich nicht boostern lassen.

Zwei Impflinge kamen hochbetagt mit laufender Rheuma- oder Chemotherapie zur vierten Impfung. Die Stiko redet noch nicht über die vierte Impfung, die Landesgesundheitsminister sind also schneller oder übereifrig. Der Schutz nach drei Impfungen ist so gut, dass der Zusatznutzen für Immungesunde schwer nachzuweisen sein könnte. Also bieten wir die vierte Impfung drei Monate nach den Boostern an. Aber wir empfehlen die vierte Impfung erst, wenn mit den Omikron-adjustierten MRNA-Impfstoffen ein Zusatznutzen entsteht oder wenn Daten aus Israel den Zusatznutzen zeigen.

28.12.

Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen. Schopenhauer

Jeden Freitag hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil wir meist noch Impfstoff für den Montag im Kühlschrank hatten und man das beim aktuellen Biontechmangel als Hamstern bezeichnen könnte. Gestern war ich in der Apotheke, um unsere Impfstoffe abzuholen. Dort hat man über die Feiertage erfahren, dass diese und nächste Woche erst Dienstag Nachmittag ausgeliefert wird. Wir hätten heute 46 Absagen machen müssen. Ich bin traurig, dass auch die letzten Vorsichtsmassnahmen in dieser Pandemie gebraucht werden.

23.12.21

Nur 2 kleine News: Nächste Woche gibt es genug Comirnaty, wir können sogar noch 8 weitere Patienten planen. Keine Absagen – eine Angst weniger über Weihnachten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat bekanntgegeben, dass es ab morgen bis 9. Januar 2022 8 € mehr pro Impfung gibt. Das ist nett.. Geld ist nie unwillkommen. Die Maßnahme kommt zu spät, um noch jemanden zum mehr Impfen zu motivieren. Wir hätten mehr Termine angeboten, wenn wir mehr Impfstoff sicher planbar hätten. Schöne Weihnachten!

22.12.21

Der beste Arzt ist die Natur, denn sie heilt nicht nur viele Leiden, sondern spricht auch nie schlecht von einem Kollegen. (Ferdinand Sauerbruch, Chirurg)

Zwei Dinge beschäftigen uns: Die Stiko hat gestern ihre Empfehlung zum Zeitpunkt der Boosterimpfung auf drei Monate verkürzt. Die Entscheidung ist gut, sie bereinigt einander widersprechende Auffassungen. Alles könnte gut sein. Auf der anderen Seite ist heute der letzte Tag vor der Weihnachtspause, wo wir impfen könnten. Es ist der erste Tag, wo wir kein Röhrchen Moderna öffnen, weil die Nachfrage nicht ausreicht. Biontech könnten wir mehr impfen, wenn wir mehr hätten. Auch in der Planung haben wir nur noch wenige Tage mit einem Impfangebot. Die Nachfrage reicht nicht mehr zum Öffnen eines Röhrchens mit 20-24 Einzeldosen Spikevax.

Das andere: Es gibt Ärzte, die aktuell ihre Sprechstunden auf ein Minimum oder auf Null heruntergefahren haben, um ganztägig zu impfen. Die Kollegen machen ohne Absprachen mit den Kollegen vor Ort großangelegte und öffentlich unterstützte Wochenendimpfaktionen auch weit von ihren Praxen entfernt. Bei den Ärzten vor Ort hagelt es dann Impfabsagen. Auch ein großer Teil unserer Impfausfälle ist direkte Folge dieser Aktionen. In  der Whatsapp-Gruppe impfender Ärzte gibt es eine Diskussion, ob man diese Ärzte eher als Heuschrecken, die die attraktive finanzielle Förderung von Impfaktionen voll mitnehmen und dafür ihre Patienten vernachlässigen, ansehen soll oder als Helden der Coronabekämpfungs. Ich weiß die Antwort nicht. Mein Bauchgefühl sagt : „Landplage“

18.12.21

Motto: Es gibt viele Wege aus der Pandemie. Panik ist keiner davon.

Die Nachfrage nach Boosterimpfungen ist so gestiegen, dass sich ein zusätzlicher Impfnachmittag am Freitag lohnte. Zwanzig Impfungen pro Stunde waren zu dritt gut zu schaffen. Zwei Leute kamen nicht, zum Schluss haben wir eine halbe Stunde auf eine Nachrückerin gewartet. Mit deren Nachbeobachtungszeit wurde es dunkel, bis wir zu Hause waren. In der nächsten Woche sind wieder 20 Impftermine mit Moderna frei. Wenn man zur Zeit längerfristige Impftermine vergibt, gibt es viele Nichtkommer und Absagen.

In der nächsten Woche bekommen wir 4 Impfdosen Comirnaty, das reicht für eine Stunde Impfen. Wir können gerade so alle versprochenen Impfungen für unter 30-jährige sicherstellen, mehr nicht. Moderna ist ausreichend da auch für die Zeit „zwischen den Jahren“. Wir wissen nicht, wieviel Comirnaty es in der Kalenderwoche 52 gibt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreibt, wir dürfen pro Arzt 5 Vials Biontech bestellen, die Lieferung kann aber auch 1 Vial pro Arzt gekürzt werden. Dann müssten wir zum ersten Mal Patienten die Impfung absagen.

Richtig ratlos machte mich die Anfrage einer Patientin, ob man nach dreimal Biontech besser Moderna oder das vierte Mal Biontech impft. Wieso nach dreimal Biontech? Die Nachfrage gab die Erklärung: Ein großes Altenheim hier im Dorf war im März durchgeimpft, folgerichtig im September durchgeboostert und plant jetzt nach Aussage einer Mitarbeiterin die nächste Boosterrunde für Februar 22. Zunächst finde ich es daneben, die zweite Boosterrunde zu beginnen, bevor die Zulassung der Impfstoffe und die Stiko einen solchen Schritt möglich machen. Dann finde ich es asozial, weil in Afrika die meisten garnichts und in Deutschland zu der Zeit viele den Booster noch nicht haben. Und dann halte ich es taktisch für unklug bis blöde, kurz vor der Verfügbarkeit der Omikron-angepassten Impfstoffe zu boostern. Man könnte auch warten, bis die neuen Impfstoffe da sind, sonst hat man den dritten Booster und die fünfte Impfung im Mai.

Ich habe lange nachgedacht, ob ich etwas gegen diesen Wildwuchs unternehme. Entweder mache ich mich unmöglich, weil der Verdacht eine Ente war oder ich verhindere mit einer lauten Nachfrage eine Sauerei. Entschluss Ich tue etwas. Mehr als einen roten Kopf riskiere ich ja nicht.

13.12.

Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.

Der Anteil der Geboosterten steigt. Wir merken das, weil kaum noch Patienten aus der laufenden Sprechstunde eine Impfung wünschen. Gestern waren es gerade 5 ungeplante Impfungen. Trotzdem sind unsere Impftermine bis Weihnachten ausgebucht. Daher haben wir für Freitag nochmal 50 Plätze am Nachmittag ausserhalb der Sprechstunde für Angehörige und Praxisfremde aufgemacht. Die Nachfrage ist auch ohne Werbung hoch.

Nebenbei: Wir haben gestern wie bestellt je 10 Röhrchen Biontech und Moderna bekommen. Dadurch gibt es einen kleinen Vorrat und Sonderimpfaktionen sind möglich.

11.12.

Motto: Was früher Industriespionage hieß und mit der Todesstrafe bedroht war, heißt heute Benchmarking. Wehe, man macht nicht mit.

In der Gifhorner Zeitung war heute zu lesen, dass es in Gifhorn wöchentlich wechselnde Impfschwerpunktpraxen gibt. Hier schafft man täglich 200 Impfungen, wenn man gleichzeitig die Patientenversorgung einstellt. Das ist sicher weniger als das Impfzentrum mit 800 Impfungen täglich mit 6 Ärzten und bis zu 30 Mann Personal. Klingt trotzdem effizienter. Wir schaffen 200 Impfungen pro Woche bei laufendem Betrieb.

10.12.

Motto des Tages: Planung ist der Austausch des Zufalls durch den Irrtum.

Plan heute: 30 Patienten geplant – 12 für Biontech, 18 für Moderna. 2 unverplante Einzeldosen wird man los.

Realität: 6 Patienten aus der laufenden Sprechstunde liessen sich impfen. 3 Absagen am frühen Morgen, 5 Impfdosen kamen mehr aus den Röhrchen, als draufstand. Viele Patienten sind nicht erschienen. So war der Tag ruhig, zum Feierabend haben wir 7 Dosen Spikevax (das tut weh) und zwei Dosen Comirnaty (das ist bitter) in den Müll getan. Impfstoff von Biontech mussten wir noch nie entsorgen.

Dabei hatten wir insgesamt 4 Patienten, die schon vor Ort in der Praxis waren, ungeboostert waren und dann einen Termin in der nächsten Woche wollten wegen; „Impfen geht während der Arbeitszeit und ich riskiere doch keine Impfreaktion am Wochenende, wenn ich in der Woche deshalb krankgeschrieben werden könnte.“ Wir fanden die Diskussion asozial. Da wir mit Schimpfen nicht aus der Pandemie kommen, haben wir auch diesen Menschen die gewünschten Termine gegeben.

Durch die unterschiedlichen Vorgaben über die Frist vor der Boosterimpfung gibt es einen unnötigen Wettlauf um die Patienten. Alle sind dabei frustriert. Der naheliegendste Gedanke ist „Einfach weniger impfen.“ Das ist unbefriedigend, trotz aller Luxusvorstellunge suchen Millionen Menschen in Deutschland einen Boostertermin.

Wahrscheinlich werden wir nur noch eine Woche Terminvorlauf für Impfungen planen. In sieben Tagen kann die Politik die Vorgaben nicht so ändern, dass die Patienten die vereinbarten Termine zu spät finden und nochneinmal auf die Suche gehen.

9.12.21, 21.42 Uhr

Motto des Tages: Ein schlechter Plan ist wie eine Anleitung zum Scheitern. Meister Yoda?

Unser neuer Gesundheitsminister Professor Lauterbach schaffte es, in einer Amtszeit von unter 24 Stunden ein heilloses Chaos mit mindestens 0,9 Spahn anzurichten. Wir erfuhren soeben über Whattsapp von einer Mail des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums:

… Wie in beiden Mails von heute Morgen eindeutig ausgeführt, beziehen sich die Angaben zum verminderten Impfabstand ausschließlich auf Personen, die in einem Impfzentrum oder bei einem mobilen Impfteam erscheinen und sich boostern lassen wollen. Wenn diese Auffrischungsimpfung explizit gewünscht wird, sollen bitte keine Menschen mehr abgewiesen werden. Einzige Ausnahme sollte sein, wenn die Zweitimpfung weniger als 4 Wochen zurück liegt.

Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen nochmals ansteigen wird, nachdem unser Bundesgesundheitsminister seit gestern in den Medien verkündet, dass man nur geboostert gegen die Omikron-Variante geschützt ist! 

Weitergehende Anweisungen oder Empfehlungen gibt es von Seiten des MS nicht. …

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrage
Axxxxxxxxx Sxxxxxxxx (Aus Datenschutzgründen geschwärzt)

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

In Deutsch: Der Abstand zwischen Impfung und Boosterung ist jetzt nicht mehr bei 6 Monaten (Stiko), 5 Monaten (Ausnahme), 4 Monaten (Spahn) oder nach 3 Monaten (heutige Verlautbarung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA). Die Das Immunsystem bildet jetzt im vorauseilenden Gehorsam auf eine Weisung, Äußerung oder ein Tweet von Herrn Prof. Dr. Lauterbach die durch Boostern zu verstärkenden Antikörper in 4 Wochen. Das gilt aber nur, wenn die Impfung in einem Impfzentrum erfolgt. Für uns Niedergelassenen gelten vorerst die alten, auch nicht eindeutigen Regeln.

Nachsatz: Die WHO ist gegen das Boostern, solange nicht alle Menschen grundimmunisiert sind. Das ist auch verständlich. Ich finde es auch richtig, dass wir als Deutsche einen überproportionalen Beitrag zur Sanierung der Welt vor Corona leisten. Damit wir uns das leisten können, müssen wir allerdings zuerst Corona in Deutschland im Griff haben, sonst bekommen wir Wahlplakate der AfD wie „Impfstoff für Afrika, doch für die Oma ist nix da.“

Nebenbei: Heute gab es eine Drohung einer Anzeige, weil wir Moderna statt Biontech verimpft haben und der Patient das trotz kurzem Gespräch erst hinterher begriffen hat. Dazu war der Briefkasten voll Werbung von Impfgegnern aus der Quelle anthroposophische Unifugität Witten-Herdecke. Zusammenfassung: Wir sind Todesengel und Vitamin C und D helfen ausreichend gegen das völlig überbewertete Coronavirus. Ich halte das für alternative Fakten.

9.12.21, morgens

Ein neuer Gesundheitsminister – und er tut als Erstes etwas mit viel Getöse, was schon lange nötig war: Eine Inventur. Bald wird Herr Lauterbach erfahren, wieviel Impfstoff wirklich da ist und wir, wieviel wir wann bekommen.

In der nächsten Woche bekommen wir den bestellten Impfstoff von Biontech und Moderna – dank vieler Umbestellungen können wir die Versorgung aller Kinder und jungen Frauen mit Biontech sicherstellen. Andererseits: Bisher gab es keine Probleme mit Moderna, die Flaschen waren jeden Tag zum Feierabend fast alle. Montag und Donnerstag wurden mehrere Fläschchen Moderna verimpft. Es geht also mal eine Woche alles gut. Traurig ist nur, dass sich pro Tag um 75.000 Menschen erstimpfen lassen, bei uns ist nicht jeden Tag einer dabei. Wenn die Impfquote so bleibt, wären das noch 200 Tage Diskussionen mit Ungeimpften.

Damit der Text nicht langweilig wird, mal 3 von den Diskussionen, die wir jeden Tag so führen dürfen:

  • „Ich möchte mich gerne boostern lassen. Ich habe bisher keine Erstimpfung. Machen Sie sowas?“ Ja, klar doch, gerne. Logisch! Und wenn Sie sich nach 4 Wochen nochmal boostern lassen, bekommen Sie sogar einem Bescheinigung über eine Erst- und Zweitimpfung. Eine Boosterbescheinigung dauert dann noch 5 Monate und den dritten Pieks.
  • „Stimmt es, dass die Coronaimpfung die spirituelle Entwicklung stört?“ Jawohl. Ziel der spirituellen Entwicklung ist die Erleuchtung, Nahtoderfahrungen sollen hilfreich sein. Als Ungeimpfter hat man höhere Chancen, das zu erleben. Es könnte allerdings sein, dass der Lärm und die Apparate auf einer Intensivstation beim Meditieren stören.
  • „Wenn Sie Biontech für mich haben, wieso nicht für meine Oma?“ Weil Menschen mit einer Oma häufig unter 30 Jahren alt sind, Leute mit Enkeln eher selten. Vielleicht gibt es bald wieder Biontech unlimitiert, bis Jahresanfang ist die Menge begrenzt und reicht nur für die jüngeren. Die dürfen kein Spikevax bekommen.
3.12.21

Ab Dienstag haben wir jeden Tag morgens eine 20er Flasche Spikevax für „Laufkundschaft“, also ungeplante Impfanfragen, angestochen und jeden Tag war diese Flasche erst in der letzten Stunde vor Feierabend leer. Nur Mittwoch kam der letzte Spontanimpfling drei Minuten nach Feierabend und durfte mir dann noch 20 Minuten beim Computerschrauben zusehen. Durch das zusätzliche Angebot wurde die Anzahl der Impfungen verdoppelt und die Praxis ist rammelvoll. Für die nächste Woche wurde die Lieferzusage von 16 Vials Biontech (Spahn) über 12 Vials (Korrektur der Kassenärztlichen Vereinigung) auf 8 Vials reduziert. Für 22 Vials stehen Patienten im Terminkalender. Daher können wir Biontech nur noch für unter 30-jährige anbieten. Erfreulicherweise haben nur sehr wenige Patienten große Probleme mit der Umstellung auf Moderna.

Bisher habe ich die Parole der Regierung „30 Millionen Impfungen bis Jahreswechsel“ für großspuriges Gelaber eines scheidenden Gesundheitsministers gehalten. Wenn man sich einen Taschenrechner nimmt, wären das bei 75.000 Kassenärzten gerade 400 Impfungen pro Arzt und das ist machbar, da liegen wir sogar drüber. Laut Impfdashboard sind wir jetzt bei 1 Million Impfungen pro tag, Tendenz steigend. 17 Arbeitstage hat das Jahr noch, also stimmt zumindest die Dimension. Absehbare Probleme:

  • Impfstoffzufuhr – wir können alle nur verimpfen, was da ist. Derzeit werden unsere Bestellungen gekürzt.
  • Bis 31.7. waren 43,6 Millionen Menschen vollständig geimpft. 12,2 Millionen Menschen sind schon geboostert. Es verbleiben 31,5 Millionen Boosterkandidaten, die alle den Wunsch haben müssen, sich schon nach 5 Monaten und auch zwischen Weihnachten und Sylvester impfen zu lassen. Viele Menschen möchten das erst im Januar. Erstimpflinge gibt es derzeit 80.000 pro Tag, das sind 1,6 Millionen, kein wesentlicher Beitrag zu dem Rechenbeispiel. Durch die Diskussion um die Impfpflicht steigt erstmal die Verbitterung der Ungeimpften. Bis die Menschen dann losgehen, ist Weihnachten vorbei. Kaum jemand, der die Impfung bisher vermieden hat, möchte Weihnachten wegen Nebenwirkungen flachliegen.
  • Leider impfen nur 4.000 der 14.500 Kassenärzte in Niedersachsen. Damit müsste jeder der Gutwilligen nicht 400, sondern 1450 Impfungen schaffen, also 90 pro Arbeitstag. Da das nicht realistisch ist, sollen jetzt Apotheker, Zahnärzte und Tierärzte, nach anderen Quellen auch Altenpflegerinnen und Hebammen impfen. Abgesehen davon, dass diese guten Leute alle auch so zu tun haben, gibt es ein Bürokratieproblem: Entweder müssen die dieselbe Schreiberei mit täglichen Meldungen ans RKI, Abrechnung und Dokumentation machen, dann sind sie schnell sauer und wollen nicht mehr. Oder die neue Impfarmee muss diesen ganzen Mist nicht machen – dann sind die Ärzte sauer.

Fazit: „Hohe, aber erreichbare Ziele sind es, die uns im Titelkampf voranbringen!“ Erich Honecker vor irgendeinem Plenum des ZK der SED. Der Mann lebt nicht mehr und fällt entweder unter ganz kleine oder unter gar keine Propheten. Recht hat er trotzdem. Wir werden die 30 Millionen Impfungen nur schaffen, weil niemand den Startpunkt der Parole festgelegt hat und wir beliebig viel schon Verimpftes mit einrechnen können. Und der Kern der Botschaft: „Impfen, Impfen, nochmals Impfen!“ ist richtig.

31.11.21

Morgens: Nach einem Wochenende, an dem mit Omikron eine neue Virusvariante die Nachrichten beherrschte, steigt die Boosternachfrage rapide an. Gestern bekamen wir 96 Dosen Biontech und 100 Dosen Spikevax, nächste Woche gibt es 60 Dosen Biontech und unlimitiert Spikevax. Wir werden sehen, wie die Patienten das unangekündigte Wechseln des Impfstoffes tolerieren, denn aktuell sind jeder Woche 132 Dosen Biontech verplant. Alle Patienten vorher anrufen wird beim aktuellen Krankenstand nichts.

Abends: Dafür hat etwas anderes gut geklappt: Wir haben am Beginn der Sprechstunde ein Vial Spikevax geöffnet für alle, die spontan nach einer Impfung fragen und zum Feierabend waren 20 Einzeldosen vergeben – einfach so ohne Planung und ohne Werbung. Die Akzeptanz des Impfstoffes von Moderna war gut, also 50 % ohne Protest „schön, dass das gleich klappt!“ und 50 % mit erträglichen Gesprächen wie „Haben Sie denn kein Biontech?“

Dabei gab es sogar zwei spontane Erstimpfungen. Morgen wiederholen wir das.

Ein besonderes Problem scheinen gefälschte Impfpässe zu sein. Aus Apotheken wird von gefälschten Stempeln zweier Gifhorner Ärzte berichtet und bei DocCheck tummeln sich Ärzte, die das Bescheinigen nicht erfolgter Impfungen ein legitimes Mittel zum Feeiheitskampf sehen. Der Fahndungsdruck und die Strafen bei nachgewiesener Impfpassfälschung sollten höher sein. Vor allem kommen die Inhaber gefälschter Impfpässe gefühlt häufig aus einem Milieu, das das Fälschen von Unterlagen bei Asylbewerbern ganz schlimm findet.

Die einfachste Lösung wäre, wenn nur noch derjenige ein elektronisches Impfzertifikat ausstellen darf, der selbst geimpft hat. Aber die Lösung ist apothekenfeindlich.

Was passiert, wenn jemand mich oder unser Personal nach gezielten Unkorrektheiten bei der Erstellung von Impfausweisen fragt? Die Antwort findet man im Strafgesetzbuch  § 299a „Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“. Der Versuch ist strafbar. Die ärztliche Schweigepflicht gilt nicht, wenn man einen Arzt zu Straftaten ermuntern will.

Ich würde gerne mal wissen, wie viele Impfdurchbrüche zu Lasten von Johnson/Johnson gehen und wie viele zu Lasten von falschen Impfpässen. Wir werden beides leider nicht erfahren.

24.11.21

Am Montag haben wir nicht die bestellten 96 Impfdosen geliefert bekommen, sondern 18.

22.11.21

Herr Spahn rudert zurück und wir dürfen 8 Röhrchen Biontech pro Arzt bestellen. Das reicht nicht. Übrigens kommen aus einer Flasche Spikevax 20 Impfdosen. Hurra, jetzt können wir die Patienten in 20er Grüppchen planen, wo doch 6 manchmal für Enge sorgten.

21.11.21

Dieses Wochenende hat Herr Spahn seine letzte Chance genutzt, die Impfkampagne zu stören und seine Inkompetenz unter Beweis zu stellen. Problem: Erst fordert er viele Impfungen von den Ärzten, dann teilt er zu Zeiten, wo die Patienten schon aufgeklärt sind, mit, dass die Höchstbestellmenge Biontech pro Arzt bei dreißig Dosen liegt und dass es oberhalb davon Moderna gibt.  Das hätte man eher sagen können, meint er. Da hat er sogar recht.

Konsequenzen: Zunächst kommt Moderna in 10er Flaschen, Biontech kam in 6er Gebinden. Da werden wir viele Patienten umbestellen oder viel wegwerfen müssen. Dann ist Moderna für Frauen unter dreißig und Jugendliche nicht zugelassen.  Wieder ein paar Leute umbestellen, das schafft Vertrauen.

Und natürlich wissen wir nicht, was morgen an Impfstoff kommt: 30 Einzeldosen Comirnaty für die Praxis wären ein ernsthaftes Problem, 30 Einzeldosen pro Arzt bedeutet Mischen Comirnaty/Moderna 50/50. Das wäre uns zumutbar. 30 Röhrchen pro Arzt wäre mehr als unser Wochenverbrauch, der ganze Radau würde uns nicht tangieren. Trotzdem bin ich sauer, denn ich habe heute 2 Stunden mit dem Beantworten von Mails mit den Fragen wie: „Was verimpfen Sie morgen? Was sind die Unterschiede?? Wenn mein Hausarzt mir Moderna anbietet, kann ich dann auch zu Ihnen kommen???“ verbracht.

Spahn nervt. Und wir verteilen nächste Woche Biontech, es sind noch über 40 Plätze frei.

18.11.21

Die Stiko hat gesprochen: Boosterung für alle ab 12 empfohlen und schon nach 5 Monaten möglich. Morgen stehen gerade 6 Patienten in der Planung und 12 Plätze sind frei. Schauen wir mal, wie viele Anfragen bis morgen eingehen und wie viele davon nicht gleich kommen wollen, wenn man ihnen das anbietet.

17.11.21

Zunächst die eigene Sache: Die zweite Impfung des Praxispersonales mit Comirnaty ist sechs Monate her, so stand am Montag das Boostern an. Am Dienstag gab es bei 9 geimpften Mitarbeiterinnen 4 Krankmeldungen wegen Impfreaktion. Heute waren alle wieder da.

Die Impfnachfrage steigt etwas an, diese Woche 12 Röhrchen oder 72 Impfungen. Was immer wieder hinterfragt wird, sind Impfungen jetzt gleich, ohne Termin, Planung und Absprache. So etwas ist ab 5 Röhrchen pro Tag vorstellbar, weil dann innerhalb von 2 Stunden immer ein angefangenes Vial verbraucht wird und wir maximal 5 Impfdosen zum Feierabend entsorgen. Verschwendung wäre es trotzdem, also nein.

200 Einzeldosen sind im Kühlschrank, falls die Stiko am Donnerstag endlich die Boosterung für alle über 18 empfiehlt. Bisher ist das nur ein Gerücht.

Nebenbei: Die Bezahlung pro Impfung wurde angehoben und es gibt eine Förderung für zusàtzliche Impfsprechstunden. Leider ist bei uns immer noch die mangelnde Nachfrage nach Impfungen das Hemmnis, nicht die ärztliche Motivation. Vielleicht ändert sich das, wenn 2G für alle Einzelhandelsgeschäfte oder 3G am Arbeitsplatz Norm werden. Dann wird die Bundesregierung beziehungsweise das, was derzeit in der Schwebe ist, wieder so lange Übergangsfristen einbauen, das der Motivationseffekt wegbleiben.

1.11.21

In der Zeitung können wir lesen, dass Herr Spahn und Herr Lauterbach wegen der vielen Booster-Impfungen die Impfzentren wiedereröffnen möchte. Bei uns ist die Nachfrage nicht so hoch, dass das nötig wäre. 24 Comirnaty-Impfungen und 30 Grippeschutzimpfungen pro Woche sind machbar. Beim dem diesjährigen Grippeimpfstoff haben wir nicht wie sonst bei jedem Zehnten eine Impfgrippe, sondern bisher  nur 3 schlechte Rückmeldungen = jeder Fünfzigste. Der Impfstoff ist überreichlich vorhanden. Wir wurden gefragt, ob wir das Grippeimpfstoffkontingent eines erkrankten Hausarztes übernehmen wollen. Ich habe „ja“ gesagt, anstatt zu fragen: „Wie viel ist es ?“. Manche Entscheidung bereut man etwas.

7.10.21

Heute gab es gerade mal eine Erstimpfung, ein paar Auffrischungen, doch die Nadelarbeit reißt nicht ab: täglich 20 Grippeschutzimpfungen, ein paar Prevenar und Pneumovac gegen Lungenentzündungen, etwas Shringix gegen Herpes und Auffrischungen von Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio (Boostrix-Polio) sorgen dafür, dass wir alle mit der Nadelarbeit fit bleiben. Wenigstens gibt hier immer Einzeldosen und keinen Papierkram.

Dafür gibt es neue Impfempfehlungen.

24.9.21

Nichts Neues: eine Erstimpfung und eine Zweitimpfung innerhalb einer Woche, der Hauptteil sind Drittimpfungen für Rheumatiker. Die Reaktionen der Ungeimpften, wenn man sie auf die Impfung anspricht, sind zu 50% gelassen und zu 50% aggressiv. Aus Selbstschutzgründen investieren wir keine Zeit mehr in Versuche, Ungeimpfte zu überzeugen.

Wenn es eine rechtliche Möglichkeit gibt, 2G-Praxis zu werden, bieten wir das 4 Tage pro Woche an. Vielleicht erzeugt es ein gewissen Unbehagen für Ungeimpfte, zu wissen, dass sie mit ganz vielen anderen Ungeimpften in einem Wartezimmer sitzen. Möglicherweise motiviert das. Das Gefühl, 8 Stunden täglich Maske zu tragen, damit die Minderheit der Ungeimpften sich nicht bewegen müssen, ist weiterhin beklemmend, kommunikationsstörend und atemberaubend.

14.9.21

Nunmehr gibt es eine Impfempfehlung für Schwangere ab dem 4. Monat und für Stillende. Nur Impflinge, die gibt es nicht: 3 Erstimpfungen letzte Woche.

30.8.21

3 Wochen Urlaub, in der Zwischenzeit empfahl die Stiko die Impfung für Kinder von 12-17 und die Drittimpfung für Rheumatiker. Die Nachfrage nach Coronaimpfungen ist sehr verhalten, 14 Impfungen letzte Woche, davon eine Erstimpfung und – tatsächlich – eine Astra-Zeneca. Das dürfte die letzte Astra-Zeneca-Impfung bei uns gewesen sein.

13.7.21

Leider verstirbt die Impfkampagne vorzeitig an mangelnder Nachfrage. In der letzten Woche gab es genau zwei Erstimpfungen. Die Umstellung zur Kreuzimpfung lief problemlos, niemand wollte AstraZeneca. Diese Woche gibt es noch einmal 80 Zweitimpfungen. Dann sind für uns die Zeit der Massenimpfung zu Ende.

Bei vielen Patienten und bei mir steigt die Wut auf die Ungeimpften, die die vierte Welle der Covidimpfung alleine unter sich ausmachen und damit für uns alle die Maskensaison verlängern. Eine Impfpflicht bekommen wir in Deutschland nicht organisiert, ich möchte sie auch nicht durchsetzen. Den Standpunkt: „Wer Ungeimpften Freiheitsrechte zurückgibt, verspielt die letzte Chance auf Herdenimmunität und entzieht Geimpften unnötig die Freiheit!“ kann ich gut verstehen.

Die Festlegung einer Impfpflicht fürs Gesundheitswesen in Griechenland und Frankreich finde ich vorbildlich und auch für Schulen und Kindergärten notwendig.

Ein Ende der Maskenpflicht für Geimpfte würde dafür sorgen, dass die Impfverweigerer, Impfverpenner und die sehr wenigen nicht Impffähigen aus der Anonymität kommen und sich mit ihrem Status täglich auseinandersetzen müssen.

Genauso wäre es zumutbar, Flugreisen, Bahnreisen, Innenrestaurants, Massenveranstaltungen und Kinos nur für Geimpfte zu öffnen. Man kann ohne diese Dinge leben und wenn wir die Herdenimmunität erreichen wollen, dann muss es unpopulär und unangenehm für die werden, die den Herdenschutz nutzen und nichts beitragen.

Frau Merkel hat Stellung genommen: „Eine Impfpflicht ist nicht unser Weg.“ Darüber nachzudenken, ob man irgendwann die Coronatests für Ungeimpfte kostenpflichtig zu machen, ist weder ein Weg, noch ein Schritt. Es ist harmlose Wahltaktiererei, um niemanden zu verärgern. Zur Erinnerung: Covid-19 ist nicht harmlos.

  1. 1.7.21

Heute ist ein schwarzer Tag für die Biontech-Impfung: Wir haben zum ersten Mal eine Dosis Comirnaty entsorgen müssen, weil sich niemand mehr zum Impfen fand: Die gesamte Warteliste war schon woanders geimpft oder niemand erreichbar. Dafür müssen wir uns keinen Kopf mehr um Impfstofftrennung machen: Die Stiko empfiehlt die Kreuzimpfung Biontech nach Astra jetzt für alle. Damit brauchen wir kein AstraZeneca nachzubestellen und dürfen wieder mal alle Astrageimpften fragen: ob sie nach dem Impftermin jetzt auch den Impfstoff wechseln wollen. Jetzt warten wir auf die Empfehlung, auch die Johnson/Johnson-geimpften mit Biontech zu boostern.

26.6.21

Die Vorgaben für die Impfstoffbestellungen der 28. Kalenderwoche sind veröffentlicht: Jeder Arzt darf so viel Biontech und Astra-Zeneca bestellen, wie er möchte. Die Mindestliefermenge liegt bei 24 Impfdosen Comirnaty und 70 Impfdosen Vaxzevria + die benötigten Zweitimpfungen. So etwas ist leider nur möglich, weil viele Praxen nicht mehr impfen und weniger Besteller mehr Impfstoffe bekommen. So kommen wir uns ein wenig asozial vor, wenn wir von diesem großzügigen Angebot je ein Fläschchen beider Impfstoffe abrufen. Aber in der fraglichen Woche planen wir nur 3 Zweitimpfungen Biontech, weil es vor6 Wochen keinen Impfstoff für Erstimpfungen gab und wegen dem schlechten Spritzenmaterial nur 3 Zusatzdosen anfielen. Für Erstimpfungen fehlen uns durch Betriebsferien die Termine. Für Vaxzevria gibt es keine Nachfrage mehr.
In der Woche danach wollen wir etwas Neues probieren: Es werden vormittags, wenn wir mehr Personal haben, jeden Montag, Dienstag und Donnerstag halb neun bis neun und halb zehn bis zehn je 6 Plätze Comirnaty vergeben – vorrangig an die letzten ungeimpften Rheumatiker und Patienten, die ein halbes Jahr nach überstandenem Covid die Boosterimpfung brauchen, dann aber auch an Patienten und ihre Angehörigen. Das sind dann jede Woche 36 Erstimpfungen ohne den Wahnsinn, dass 40 Leute gleichzeitig zur Impfkampagne kommen. Mittlerweile haben sich Nachbarn beschwert, weil es keine Parkplätze und unkontrolliert abgestellte Fahrzeuge auf den Gehwegen gibt, wenn wir impfen.

Ab Mitte Juli gibt es ein Angebot für die über 60-jährigen, die standhaft Vaxzevria verweigert haben: Wir akzeptieren sie als Nachrücker. Es ist besser, dass auch diese Leute geimpft werden als dass wir vorschriftsgemäß verärgerte Ungeimpfte hinterlassen. Ziel ist weiterhin die Herdenimmunität und das ist noch ein weiter Weg. Immerhin können wir behaupten, ein Einhunderttausendstel der Deutschen Impfkampagne mitgetragen zu haben. Es fühlte sich nach mehr an.

Im Niedersächsischen Ärzteblatt stand jetzt, 4.000 niedersächsische Ärzte hätten 1,5 Millionen Impfungen verteilt. Die Nachrichten hinter der Nachricht:

  1. Wir sind Durchschnitt. 375 Impfungen pro Arzt schaffen die anderen also auch. Mehr Impfstoff gibt es nur schwer.
  2. 4000 Niedergelassene haben geimpft. Wir sind in Niedersachsen 10500 Niedergelassene. Was tun die anderen?

Was uns so richtig ankotzt, ist die Bezahlung: Wir bekommen für zwei Impfungen zusammen 40 €, dazu 4 € für die digitalen Impfausweise. Das ist OK. Für das Beglaubigen zweier fremder Impfungen mit digitalem Impfausweis bekommen wir 36 €. Das Verwalten der Weltrettung wird also immer noch höher angesehen als die Weltrettung selbst. Bleiben Sie logisch – wenn es die Regierung schon nicht tut.

 

17.6.21

Innerhalb von 2 Wochen ist die Rekrutierung zum Impfen völlig gekippt. Wir haben heute noch Impfplätze für Biontech frei und können auf einmal nicht mehr jeden Impfwunsch sicherstellen, weil die Zweitimpfung auf den Urlaub des Patienten oder der Praxis fällt. Wir werden mit Impfanfragen Biontech für 11-oder 70-jährige erfreut. Anfragen für Erstimpfungen mit Astra-Zeneca gibt es schon 2 Wochen nicht mehr. Langsam wird es schwierig, Patienten für Biontech zu rekrutieren. Daher bestellen wir jetzt nur noch so viel Impfstoff, wie wir für Zweitimpfungen benötigen. In den nächsten drei Wochen fallen die möglichen Zweitimpftermine in unsere Betriebsferien. Der Rest in den Dosen reicht für die letzten Erstimpfungen.

Die entsetzliche Konsequenz daraus: 50% der Bevölkerung sind geimpft. Wenn es jetzt schon schwierig wird, neue Impflinge zu finden, endet die Impfkampagne irgendwo zwischen 55 und 60 % und im Herbst starten wir die 4. Welle der Pandemie. Es wird Zeit, die nicht Impfwilligen zu motivieren – positiv ausgedrückt.

9.6.21

Die Impfzeiten sind nun geregelt: Zweimal ein Fläschchen Astra-Zeneca montags und dienstags, der Terminkalender ist voll bis August mit Zweitimpfungen. Zweimal wöchentlich bis zu vierzig Impfungen Biontech, wobei 36 Patienten Zweitimpfungen und priorisierte Rheumatiker sind und nur jedesmal vier Impfdosen für Nichtpriorisierte anfallen. Von einer Impfung für die Öffentlichkeit sind wir immer noch weit entfernt. Nur die Nachfrage ist durch das Ende der Priorisierung weiter gestiegen. Diese Woche gibt es 19 Einzeldosierungen für Erstimpfungen – 6 durch ein für Erstimpfunfen zugeteiltes Röhrchen, 5 weil wegen nur einer Zweitimpfung ein neues Röhrchen bestellt werden konnte und weitere 8 durch beim Aufziehen entstandene Reste von 12 Röhrchen. Wenn wir die wie vorgeschrieben entsorgen würden, wären also 42 % der möglichen Erstimpfungen weg. Irgendwie deprimierend.

2.6.21

Bei Impfungen von Priorisierten ist eine spürbare Sättigung erreicht. Wir hatten gestern erstmalig Probleme, vier zusätzliche Impfdosen Comirnaty zu verimpfen. Ein Autohaus, eine Bäckerei und zwei Apotheken sowie einige Bekannte mussten angerufen werden, damit nichts verfällt. Für den morgigen Tag sind noch 13 Impfplätze frei, auch das ist ungewohnt. Es scheint also genau richtig zu sein, dass in der nächsten Woche die Priorisierung fällt. Leider ist für die nächste Woche nur wenig Comirnaty angekündigt. In den drei Wochen drauf können wir keine Termine für Erstimpfungen anbieten,, weil wir wegen des anstehen VW-Werksurlaubes und unseres Jahresurlaubes keine Termine für die Zweitimpfung haben.

27.5.21

Herr Spahn macht endlich Ernst mit dem Impfen. Nächste Woche bekommen wir 12 Fläschchen Comirnaty. Damit können wir endlich mal allen Rheumatikern in der laufenden Sprechstunde ein Angebot machen. Für öffentliche Impfangebote reicht das leider immer noch nicht. Vaxzevria bekommen wir nur noch für Zweitimpfungen. Da aufgrund der neuen Wahlfreiheit beim Zweittermin fast jede Woche ein oder zwei Leute Zweitimpfung haben, gibt es immer noch Impfstoff für Erstimpfungen. Die Wahlfreiheit beim Zweitimpftermin machen wir aber nicht mehr mit, wir legen das jetzt so fest, das immer 10er Gruppen entstehen. 4 Dosen Vaxzevria 1. Termin 1.6., Zweittermin 27.7. sind Stand 13.00 Uhr noch im Angebot.
Der Aufreger der Woche war die Frage eines Sportvereins, ob wir junge Leistungssportlerinnen 16-18 Jahre alt durchimpfen können.  Irgendwann kann sich das die Gesellschaft da leisten. Noch gehen chronisch Kranke vor.

20.5.21

Die Lieferankündigung für Impfstoffe für die 21. Kalenderwoche ist da: 24 Einzeldosen Comirnaty für Zweitimpfungen, nichts für Erstimpfungen und 10 Einzeldosen Vaxzevria von AstraZeneca, die zu gleichen Teilen in Erst- und Zweitimpfungen am Montag der 22. Kalenderwoche verplant sind. Eine Woche später dürfen dann die Betriebsärzte mitimpfen – wenn sie denn Impfstoff bekommen.

18.5.21

Zwei Impfrunden mit Vaxzevria für bisher nicht bekannte Patienten sind durch. Bilanz: über 200 Mailanfragen, daraus resultierten 35 Anmeldungen, (= 3 Abende Mailverkehr, Aufklärung und Diskussionen), 17 Abmeldungen in den letzten 12 Stunden vorm Termin und so sehr viel Schreiberei und Telefoniererei, um 18 Dosen zu verimpfen und 4 zu entsorgen. Das Projekt ist gescheitert. Wir versuchen, den letzten Termin für Neuimpfungen am 1.6. aufzufüllen – zweite Impfung am 26. Juli. Danach bieten wir keine Erstimpfungen mit AstraZeneca mehr an, weil zu den Zweitimpfungen immer wieder nur 3-4 Patienten im Buch stehen. Die Nachfrage ist zu gering und der Wegwerfanteil zu hoch.

15.5.21

Wir haben gehofft, wenigstens Vaxzevria von AstraZeneca reichlich anbieten zu können. Im Kühlschrank sind verplante 4 Ampullen. Überraschend wird nächste Woche kein AsraZeneca geliefert, so dass in der Woche nach Pfingsten keine Impfungen mit diesem Impfstoff geplant sind. Meine Neuentdeckung ist www.sofort-impfen.de. Wir werden das mal ausprobieren und schauen, ob so Impflinge für AstraZeneca gefunden werden.

11.5.21

Für die nächsten 2 Wochen ist die Impfstofflieferung beschränkt: Comirnaty von Biontech wird passend für die Zweitimpfungen der 14/15. Kalenderwoche geliefert plus genau ein Fläschchen. Da werden wir kaum neue Patienten impfen können. Vaxzevria von AstraZeneca gibt es (angeblich). Da unsere Patienten über 60 wegen des Rheumas meist die Ersten sind, an die der Hausarzt auch schon gedacht hat, finden wir meist nur einen passenden Patienten am Tag. Dafür haben wir für 2 Impfsprechstunden pro Woche ausreichend Nachfrage von Leuten, die wir überhaupt nicht kennen. Wir schaffen das, werden aber dafür keine Sprechstunden reduzieren, sondern eher die Impfstoffbestellung herunterfahren.

6.5.21

Erstmals haben wir vier Impftage in der Woche – immer in der Freizeit und neben der laufenden Sprechstunde. Für diese Woche gab es 48 Impfdosen Comirnaty und 40 Impfdosen Vaxzevria. Mittlerweile wissen wir, warum manchmal viel Impfstoff aus den Ampullen kommt und manchmal nicht: es liegt an der Qualität der Spritzen. Wenn die Feinspritzen mit vermindertem Totraumvolumen mitgeliefert werden wie auf dem Bild rechts, kommt mehr heraus. Selbst kaufen kann man so etwas derzeit nicht aus seriösen Quellen, der Markt ist leer.

27.4.21

Nächste Impfrunde mit Biontech. In der aktuellen Charge kommen aus einem Vial Biontech exakt die 6 zugesicherten Impfdosen. Das ist etwas weniger, aber dafür besser planbar. Heuten wurden die Patienten im exakten 3-Minuten-Abstand geimpft und das heißt: Es geht mehr. Wir können jetzt auch Anfragen eigener Patienten nach Impfungen per email bedienen. Als Konsequenz der Verschiebungen der Arbeitstage durch die vielen freien Tage werden wir im Juni täglich 30 Patienten für die Zweitimpfung schaffen müssen, da viel weniger Bürokratie anfällt als beim ersten Mal, ist das machbar.

26.4.21

Wir haben uns entschlossen, eine Warteliste für Menschen einzurichten, die sich mit Vaxzevria impfen lassen möchten und nicht priorisiert sind. Frau Gesundheitsministerin Behrens hat heute das Impfen in den Impfzentren für die über 60-jährigen freigegeben und alle eingeladen, sich mit Vaxzevria impfen zu lassen. Wenn die Nachfrage gering ist oder diese Menschen durch sind, wird freigegeben. Dann sollte man eine Warteschlange haben.

Außerdem möchten wir gerne die priorisierten Patienten, die das wünschen, mit AstraZeneca impfen. Wenn dann jemand nicht kommt, nehmen wir regelkonform lieber jemand Nichtpriorisiertes, als den Impfstoff zu verwerfen.

Bedingungen:

  • selbst oder der Partner schonmal bei uns Patient gewesen.
  • weibliches Geschlecht und über 30 Jahre oder männliches Geschlecht (oder diverses, unbestimmtes oder sonstiges Geschlecht über 30)
  • keine durchgemachten Thrombosen oder Lungenembolien.

Dann kann man sich melden, optimal mit den ausgefüllten Unterlagen.

24.4.21

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung teilt bedauernd mit, dass in der ersten Maiwoche doch kein Impfstoff von Johnson & Johnson kommt. Wir dürfen dafür gerne mehr AsteaZeneca bestellen. Da wir uns prinzipiell weiter an die Priorisierung halten müssen, werden wir das nicht tun – zu wenig geeignete und impfwillige Patienten. Kann Herr Spahn mit seinem Bundesministerium bitte mal einen Impfplan machen, der eine Woche Bestand hat?

Falls die Niedersächsische Landesregierung hier mitliest: Bitte mal AstraZenecas Impfstoff aus der Priorisierung nehmen wie in vielen anderen Bundesländern auch. Dann werden wir ihn reissend los. Das wäre gut für die Herdenimmunität und für unsere Nerven. Wir möchten ihn gerne an die verimpfen, die ihn haben wollen.

22.4.21

Ein neues „Erlebnis“: Wir haben Vaxzevria von AstraZeneca verimpft. Es war deutlich schwieriger, Patienten vom Impfstoff zu überzeugen. Ein Drittel der Angesprochenen findet AstraZeneca richtig, ein Drittel ist beleidigt oder lehnt den Impfstoff rigoros ab. Das letzte Drittel findet AstraZeneca akzeptabel, ist aber schon woanders geimpft oder hat einen Termin. Wir hatten außer eigenen Patienten auch deren gleichaltrige Lebenspartner zur Impfung eingeladen, wenn das nachgefragt wurde. Im Nachgang hätten wir mehr impfen können, wenn mehr Impfstoff verfügbar wäre. Der Bedarf ist da, die Nachfrage ist da und man wird halt ab und zu beschimpft. Das ist der Job. Niemand fand bisher Astrazeneca besser als Biontech.

Zwei Vials a 10 Impfdosen waren im Kühlschrank, 25 Patienten hatten im Vorfeld die Aufklärung unterschrieben und 21 hatten einen Termin. Dann ging die Hektik los: 2 Patienten haben noch am Impftag abgesagt – einmal wegen Druck der Verwandschaft gegen AstraZeneca und einmal wegen akuter Erkrankung. Das konnten wir noch mit Nachrückern auffüllen.

Die Mitarbeiterin, die die Impfungen aufzog, zeigte stolz 23 Impfdosen, die aus den geplanten 20 in der Realität wurden. Daher wurde die Nachrückerliste gebraucht. „Natürlich“ waren die Leute nicht erreichbar, die Handyakkus leer oder keine Zeit/kein Fahrer verfügbar. Den letzten Impfling haben wir 20 Minuten vor dem Verfallen der Impfdosen von der Warteliste einer benachbarten Praxis bekommen und so wurde auch bei AstraZeneca alles an die Patienten gebracht.
Wenn wir noch einmal Vaxzevria von AstraZeneca angeboten bekommen, führen wir eine Warteliste, damit es genug Nachrücker gibt.

In der nächsten Woche gibt es erst einmal 7 Fläschchen von Biontech, die 42 Impfdosen sind innerhalb von zwei Tagen in der laufenden Sprechstunde vergeben worden. Bestellt waren 10 Fläschchen, das hätte dann 3 Tage gereicht.

Für die erste Maiwoche sind 72 Dosen Biontech, bis zu 100 Dosen AstraZeneca und 30 Dosen Janssen von Johnson&Johnson Maximalbestellmenge angekündigt. Das wird fordernd. Bisher gab es meist 70 % der Bestellung.

17.4.21

Letzte Woche haben wir 6 Ampullen Comirnaty verimpft. Wir schaffen einen 4-Minuten-Takt. Schneller ist wegen der Warteschlange vorher (viele kommen zu früh) und hinterher im laufenden Praxisbetrieb nicht drin. Gern würden wir mehr machen – auch nach Feierabend oder Samstags. Der Impfstoff fehlt.

In der kommenden Woche gibt es auf eine Bestellung von 100 Impfdosen 12 Einzeldosen Comirnaty und 20 Einzeldosen Vaxzevria (Astra-Zeneca). Entgegen allen Befürchtungen ist die Nachfrage nach Astra-Zeneca gut, alle Plätze sind vergeben. Schauen wir, ob alle kommen.

In der letzten Aprilwoche macht die Bundesrepublik wieder Scherze mit den Ärzten. Erst sollten es Biontech und Astra-Zeneca 1:1 werden (also bei 30 Einzeldosen 5* Biontech a 6 und 3* Astra-Zeneca a 10), dann 18-30 Einzeldosen Comirnaty und 10 – 50 Einzeldosen Vaxzevria. Die neueste Ankündigung von gestern sagt „24-48 Einzeldosen Comirnaty pro Arzt. Astra-Zeneca wird nicht geliefert.“ Unklar ist, wieviel gekürzt werden muss, weil mittlerweile über 50.000 Praxen impfen.

Das stellt uns vor ein Rätsel: Sollen wir jetzt die Gruppe über 60 garnicht mehr oder mit Biontech impfen? Beides ist falsch.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir auch weiterhin keine Warteliste führen und erst dann Termine machen, wenn wir wissen, was wir bekommen. Dann ist es bis zur Lieferung spannend, ob alle Röhrchen unbeschädigt ankommen.

12.4.21

Vorige Woche gab es vier Ampullen Comirnaty, diese Woche werden es sechs. Der Bedarf ist bei 15 Ampullen pro Woche. Das ist zu wenig, um Patienten einzubestellen und die Nachfragemails zu Impfungen mit einem Termin zu beantworten. Wir werden die priorisierten Patienten in der laufenden Sprechstunde ansprechen. Impfen geht schnell, man schafft alle 3 Minuten eine Injektion.

Der große Zeitfresser sind die 5 Seiten Aufklärung, wo viele Patienten nicht in der Lage sind, zwei Kreuze und zwei Unterschriften zu setzen.

Auch wenn es ein bisschen peinlich ist: Hier ist nochmal das Formular:

2.4.21

Es geht endlich los. In der nächsten Woche bekommen wir 4 Ampullen Covirnaty mit 24-28 Einzeldosen mRNA-Impfstoff. Es sind Betriebsferien. So haben wir viel Zeit, die Impfabläufe ohne Terminpatienten zu üben. Zuerst geht der Impfstoff an 400 Patienten der Gruppe 2, also Patienten mit Lungenrheuma, zusätzlichem Asthma, COPD oder Diabetes. Wir werden beim Einbestellen sehen, wie viele von diesen Patienten schon geimpft sind. Danach richtet sich, wann wir den 1200 Patienten der Prioritätsgruppe 3 eine Impfung anbieten können.

Es ist mittlerweile klug, bei Arztbesuchen den Impfausweis dabeizuhaben.

Zur Impfvorbereitung mitzubringen sind zwei Formulare:

Aufklärungsmerkblatt zur Schutzimpfung gegen COVID-19 mit mRNA-Impfstoff (PDF, 880 KB, Datei ist nicht barrierefrebarrierefrei)

Anamnese- und Einwilligungsbogen zur Schutzimpfung gegen COVID-19 mit mRNA-Impfstoff (PDF, 925 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Wir haben die Formulare vorrätig. Wenn sie schon ausgefüllt sind, geht es schneller.

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